OLG Thüringen: SEO = Meta-Tags?

Im Berufungsverfahren hatte das OLG Thüringen die Klage einer Künstlerin zu verhandeln, die durch die Darstellung von Thumbnails ihrer Werke (unter anderem) im Rahmen der Google Bildersuche ihre Urheberrechte verletzt sah. Insbesondere liege in der Thumbnail-Darstellung eine Bearbeitung ihrer Werke, zu der keine Einwilligung erteilt sei.
Dieser Ansicht folgte auch das OLG Thüringen, was ich in soweit auch für zutreffend halten würde. Lustig wird es hingegen im weiteren Verlauf, denn das OLG erkennt zwar die Verletzung der Urheberrechte an, verweiger der Berufungsklägerin jedoch den Anspruch auf Unterlassung.

Die Klägerin habe nämlich nach Ansicht des Gerichts „anlockende” META-Tags im HTML-Code ihrer Website benutzt”, und deshalb “durch ihre Beeinflussung der META-Elemente im Rahmen der Programmierung ihrer Homepage [...] zu erkennen gegeben [hat], dass sie insgesamt am Zugriff durch Suchmaschinen interessiert ist“. Daher sei eine Klage treuewidrig im Sinne des § 242 BGB.

Da drängt sich doch förmlich die Frage auf, wie die Rechtslage wäre, wenn die Dame keine Meta-Tags auf ihrer Seite verwendet hätte. Abgesehen davon, dass deren Wirkung auf das Ranking in der Google Websuche und insbesondere in der Bildersuche durchaus zweifelhaft sein dürfte, hieße die Folgerung des Gerichts im Umkehrschluss meiner Ansicht nach, dass – sofern keine offensichtlichen On-Page Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung getroffen worden sind – ein Unterlassungsanspruch bestünde. Daneben wären auch weitere Ansprüche wie beispielsweise Schadenersatz denkbar.

Auf iRights sieht Robert A. Gehring die Entscheidung des OLG als „ein praxisnahes Urteil“. In Zukunft müssten sich „Google und andere Suchmaschinen […] die META-Tags genauer anschauen“.

Meiner Meinung nach ist die Urteilsbegründung weder praxisnah noch sonst irgendwie geeignet, das Problem der (Urheber-)Rechtsverletzung durch Suchmaschinen sinnvoll in den Griff zu bekommen.

Das Fazit dürfte wohl vielmehr lauten: “Wer Geld von Google (und vorm OLG Thüringen Recht bekommen) möchte, sollte kein Onpage-SEO betreiben.”

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8 Kommentare bisher »

  1. Doe sagt

    am 15. April 2008 @ 19:43

    Hä,

    aber Google WILL JA, dass man seine Seite optimiert, je “besser”, desto höher gerankt. Die Auswertung der MetaTags ist eh sehr zweifelhaft. Das ändert aber eigentlich nichts daran, dass man seine Bilder früher oder später in der Google Bildersuche finden wird…

    Wenn man das nicht “will” – das bezweifle ich aber in diesem Fall, dann sollte man sich halt an Google wenden und die Bilder austragen lassen.

  2. Daniel sagt

    am 15. April 2008 @ 20:48

    Ich finde die Urteilsbegründung ebenfalls absolut praxisfremd. Wenn ich Seiten ins Netz stelle, die Bilder enthalten, lässt es sich kaum umgehen, dass beim Spidern der Seite auch die Bilder erfasst und der Bildersuche zugeführt werden. Wer das nicht will, muss seine Seiten eben auf noindex setzen oder per robots.txt sperren.

  3. Philipp R. sagt

    am 15. April 2008 @ 20:59

    @Daniel: ja, aus Sicht eines SEO ist das sowieso richtig ;)
    Aus juristischer Sicht ist das vermutlich nicht ganz so einfach, Stichwort “Schweigen als Willenserklärung” (jedenfalls bei nicht-Unternehmern).

  4. gelegenheitsbot sagt

    am 16. April 2008 @ 22:26

    Juristisch kann das auch nur ein Anwalt/ Richter beantworten.

    Wer sich im Internet bewegt, weiss, dass Seiteninhalte und Bilder indiziert werden. Wer das nicht möchte, muss sich nach Schutzmechanismen umschauen. Wer das versäumt, ist selber Schuld.

    Die Meta-Tag Begründung finde ich einen Aspekt (Absichtenfeststellung), aber nicht den ausschlaggebenden.

    Jeder weiss, dass es üblich ist im Briefkasten Postwurfsendungen zu erhalten. Wer das nicht möchte, pappt halt einen Hinweis an den Briefkasten. So sollte man hier auch verfahren.

    Übrigens scheinen aktuell viele Künstler wegen Ihrer Bilder zu klagen. Gibt auch aktuell einen Fall gegen google (bildersuche). Weiss aber net wie da der Stand der Dinge ist.

  5. Philipp R. sagt

    am 16. April 2008 @ 22:39

    @gelegenheitsbot: Es geht hier um den aktuell diskutierten Fall bzgl. der Google Bildersuche :)

    Der Vergleich mit den Postwurfsendungen hinkt meiner Meinung nach etwas, denn das Einwerfen von Postwurfsendungen ist nicht verboten, im Gegensatz zur Verletzung von Urheberrechten. Juristisch ein noindex zu verlangen wäre vielmehr so, als müsste man ein Schild “Hier bitte nicht einbrechen” an der Wohnungstür aufhängen. Aus einer pragmatischen Sicht ist noindex aber selbstverständlich die erste Wahl.

  6. Olaf Kiel sagt

    am 17. April 2008 @ 07:28

    Ich finde beide Auffassungen unverständlich. Optimieren und sich dann darüber zu beschweren, klingt nich klug, nur provokant. Andere zu dominieren und Webseitegestaltung als Einverständniserklärung zu deuten, finde ich anmaßend.

  7. Malte Landwehr sagt

    am 17. April 2008 @ 09:54

    Der Aufwand ein Robots.txt File zu erstellen und die Bilder vor der Indizierung durch Google zu bewahren ist nun wirklich nicht sehr groß.
    Auch wer keine Meta-Tags verwendet sollte dazu in der Lage sein. Einfach als ein gerichtsverfahren anzuleiern ist es allemal.

  8. Manuel sagt

    am 22. April 2008 @ 10:51

    Ich finde es erstaunlich, dass es so viele Leute gibt, die auf Teufel komm raus nicht gefunden werden wollen. Wer es klever anstellt, kann über die Bildersuche einige Besucher anlocken und evtl. zu Kunden (der Bilder in besserer Auflösung) konvertieren. Aber wer nicht will, der hat wohl schon :)

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