Conversation-Killer Benutzerbefragung

Unternehmen investieren teilweise eine Menge Geld in SEM, SEO oder andere Maßnahmen, um interessierte Besucher auf ihre Website zu locken und diese im Besten Fall zum Kauf eines Produkts zu bewegen. Aber auf dem Weg zwischen dem Besuch einer Website und der letztendlich vom Betreiber angepeilten Conversation, also beispielsweise einem Kauf oder einer Anmeldung, gibt es für den Besucher unter Umständen eine Menge Klippen zu umschiffen. Von schlechter Benutzbarkeit der Website über unpassendes Design bis hin zu technischen Fehlern oder missverständlichen Informationstexten kommt hier eine Vielzahl von Problemen in Betracht.

Im günstigsten Fall ist diese Tatsache dem jeweiligen Seitenbetreiber bewusst und er versucht herauszufinden, wie er seinem Benutzer den Weg zur erhofften Conversation so einfach und angenehm wie möglich machen kann. Neben Methoden wie a/b Tests oder multivariaten Tests scheinen insbesondere Marketingagenturen die Idee zu bevorzugen, den User einfach direkt anzusprechen.

Mal abgesehen davon, dass Popups ala “haben sie kurz Zeit für eine kleine Benutzerbefragung” hochgradig nervend sind und meiner Meinung nach schon für sich genommen einen guten Grund bieten, die Website postwendend wieder zu verlassen, scheinen einige Agenturen davon auszugehen, dass sich die Mehrzahl der Besucher aktuell in einer tiefen Lebenskrise befindet, die von fast unerträglicher Langeweile und dem unbändigen Wunsch nach fremdbestimmter, sinnentleerter Beschäftigung geprägt ist.

Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wie die Allianz auf der Website der Allianz24 Autoversicherung auf die Idee kommt, einem Benutzer, der gerade in mühevoller Kleinarbeit über mehrere Seiten Fragen zu seiner zukünftigen KFZ-Versicherung beantwortet hat, zusammen mit dem individuellen Vertragsangebot einen 18seitigen (!) Fragebogen zur Website der Allianz24, Autoversicherungen im Allgemeinen sowie Vorlieben bei der Informationsbeschaffung und Internetnutzung vorzusetzen.

Mich interessiert in dem Zusammenhang besonders, ob dieses Monster-Formular überhaupt jemals von einem echten Benutzer bis zum Ende ausgefüllt wurde und ob die Allianz hier nur eigenes Geld verbrennt oder möglicherweise auch ein Partnerprogramm auf Lead- oder Salebasis betreibt und so den Traffic des jeweiligen Affiliates verjubelt.

Der Benutzer braucht bei dieser Art von Umfrage jedenfalls nur einen Button drücken, um alle Fragen des Betreibers hinreichend zu beantworten: Das kleine X oben rechts im Browser…

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2 Kommentare bisher »

  1. René sagt

    am 12. September 2008 @ 01:20

    Was auch nicht gerade der Hit ist: Mühevoll mit Adwords eingekauft Besucher wieder auf der Landingpage mit einem Link auf YouTube direkt aus dem Shop zu jagen. Kein Joke! – Selbst erlebt. Und dann wird sich echt gefragt warum die Absprungrate so hoch ist. So kann man potentiell Kunden auch verlieren…

  2. Ralph sagt

    am 16. September 2008 @ 22:46

    Interessante Gedanken. Die Frage stellt sich eher in den Vordergrund: “Warum entscheiden die betreffenden Fachleute diesen Fragebogen?”. Vielleicht gibt es noch einen anderen Gedanken bzw. Grund, warum Webprojekte doch schlecht gemacht werden ;)

    Aus Dresden grüssend

    Ralph

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